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Projektübersicht

ETRACE

Projektbeschreibung

In dem von VDE und die IEC 2013 veröffentlichten Strategiepapier „Produktpiraterie bei Elektronik und Elektronikprodukten“ wird Produktfälschung und -piraterie als weltweites Geschäft mit US $ 650 Mrd./Jahr geschätzt. Gefälschte Elektro- und Elektronikprodukte wie Leistungsschaltern, Haushaltsgeräte und professionelle Arbeitsgeräte stehen aktuell an zweiter Stelle hinter Pharmazeutika. Von großer Bedeutung in der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie sind Produkte der Automatisierungstechnik, Messtechnik und Sensorik sowie der Medizintechnik. Ihre technische und wirtschaftliche Relevanz wird im Zusammenhang mit Industrie 4.0 sicher weiter zunehmen; gleichermaßen gilt dies für die Anforderungen an deren Zuverlässigkeit und Sicherheit. Der deutsche Elektromarkt betrug 2013 insgesamt 106 Mrd. €, die deutsche Produktion mit 133 Mrd. € 3,7 % der Weltproduktion. Die deutschen Zuwachsraten lagen dabei im Bereich bis 2,5 % p.a. Aktuell sind 847.000 Inlandsbeschäftigte für die Branche tätig. ―――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――― Ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Produkte deutscher Firmen wird im Ausland, insbesondere auch in Asien über Distributoren oder mit dem Vertrieb beauftragte Drittfirmen sowie über webbasierte Systeme (Alibaba) vertrieben. Dies gilt insbesondere für KMU, für welche der Aufwand für das direkte Engagement unverhältnismäßig hoch wäre, oder welche noch den Marktzugang erlangen wollen. Weiterhin sind Produkte deutscher Hersteller in der Regel hochwertig, hochpreisig und sie besitzen auch von kleinen Herstellern ein sehr gutes Image. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fälschungen signifikant. Insbesondere in Asien findet traditionell eine geistige Leistung in der Häufigkeit der Nachahmung ihre gesellschaftlich Anerkennung und Unterstützung. Nachahmung ist hier auch Ausdruck einer Ehrerbietung an die Meisterschaft des Vorbilds. Daneben werden Fälschungen in anderen Kulturen aus rein monetären Gründen erzeugt. ―――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――― Wenn heute beispielsweise chinesische Telekommunikationsunternehmen ihr geistiges Eigentum zunehmend über Patentanmeldungen absichern, so symbolisiert dies einen Kulturwechsel. Der chinesische Hersteller Huawei liegt 2015 mit 3898 Patenten zum zweiten Jahr in Folge weltweit auf der ersten Position der Patentanmeldungen. Wie die Vergangenheit lehrt, kann das Patentrecht außerhalb Deutschlands nur begrenzt als Schutzmechanismus für das geistige Eigentum wirken. Wir betrachten die Abwehr von Produktpiraten und Know-how-Dieben mit physikalisch basierten Ansätzen als wesentlich effizienter, um die Nutzung von nachgebauten Komponenten oder Ersatzteilen zu erschweren oder zu unterbinden. Die hier vorgeschlagene Methode soll über intrinsische Merkmale eine sichere Unterscheidung zwischen illegal nachgebauten und originalen Elektronikprodukten ermöglichen, welche am Markt erworben wurden. Der Ansatz ist, diese Unterscheidung automatische nach der Lieferung und vor der Bezahlung zu treffen. Dadurch sollen Herstellern, Kunden und der Branche insgesamt hohe Schäden durch verlorene Marktanteile und Imageverluste ersparen bleiben. ―――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――――― Neben den unmittelbaren Verlust von Marktanteilen gewinnen die Aspekte der Produkthaftung und der Regressforderung zunehmend an Relevanz. Die Erwartungen und Versprechungen an die Zuverlässigkeit der Produkte aus der Elektro- und Elektronikbranche steigen in erheblichem Maße. Nicht nur die klassischen besonders sicherheitsrelevanten Bereiche wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik sondern künftig auch die Automobilindustrie (autonomes Fahren) oder die Automatisierungstechnik (Kraftwerkstechnik) benötigen im Schadensfall juristisch belastbare Nachweise der Verantwortlichkeit; also eine sichere Unterscheidung zwischen nachgebauten und originalen Elektro- und Elektronikprodukten.

Laufzeit

01.10.2016 bis 30.09.2018

Projektleitung

Wilde J
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